Bild: z.V.g.
1/5 Bild: z.V.g.
Bild: z.V.g.
2/5 Bild: z.V.g.
Bild: z.V.g.
3/5 Bild: z.V.g.
Bild: z.V.g.
4/5 Bild: z.V.g.
Bild: z.V.g.
5/5 Bild: z.V.g.
28.06.2018 08:09

Freie Sicht für Kamerun

Während bei uns Brillen teilweise nur als Accessoire getragen werden, sind sie in Ländern wie Kamerun Mangelware. Der gelernte Optiker Joël Spörri setzt alles daran, diesen Umstand zu ändern.

Langenthal Joël Spörri wurde in Kamerun geboren. Mit knapp drei Jahren kam er mit seinen Eltern in die Schweiz, wo er seine Schulzeit, wie auch die Ausbildung zum Augenoptiker absolvierte. Nach seiner Ausbildung entschied sich Spörri für einen Monat zurück nach Kamerun zu reisen. Die dortigen Umstände und die Not der Menschen schockierten den heute 31-Jährigen. In ganz Kamerun gebe es heute lediglich um die 200 Optiker, bei weitem zu wenig für rund 19 Millionen Einwohner. Es fehle einfach an einer soliden Ausbildung, erklärt er die Zustände. Dies bewegte den Optiker dazu, einen Spendenaufruf für gebrauchte Brillen zu machen. Circa 30'000 Brillen konnte er so beschaffen und nach Kamerun verschiffen lassen. Da die Sehhilfen jedoch nicht individuell angepasst wurden, war ihr Nutzen nicht optimal und es musste eine bessere Lösung gefunden werden.

Eröffnung mit Hindernissen

Spörri beschloss, seinen Optiker-Kollegen, den Münchner Grischa Engelhard, um Mithilfe zu bitten. Gemeinsam wollten sie im afrikanischen Land ein Geschäft eröffnen, in dem den Kamerunern Brillen zu erschwinglichen Preisen angeboten werden. Ein neues Gesetz, das es Ausländern verbietet, ein Optikergeschäft zu eröffnet, verhinderte jedoch das Vorhaben nach gut einem Jahr Planungsarbeit. Nach einem Gespräch mit dem, für das Gesetz verantwortlichen Präsidenten des Verbandes für Augenoptik Théodore Mbega, schaffte es Spörri eine Erlaubnis auszuhandeln, so fern sie einen kompetenten, einheimischen Geschäftspartner finden würden. Der Kameruner Théodore Mbega stellte seinen Namen bereit und half den beiden Europäern, Leute für ihr Projekt zu finden.

Mittlerweile sind neun Mitarbeiter im Geschäft namens «Komm und Sieh/ Viens et Vois» beschäftigt. Regelmässig führen zwei Augenärzte Kontrollen durch. «Der Betrieb besitzt dank Spendengeldern das modernste Augenausmessungsgerät von ganz Westafrika», berichtet Joël Spörri stolz. Das Unternehmen ist selbsttragend, arbeitet aber mit einer Klinik zusammen, wo es auch in einem Raum eingemietet ist. Viele Kameruner nutzen das Angebot, so auch Diplomaten und sogar der Lamidou (ein König). Kunden, die qualitativ bessere und teurere Ware wünschen, finanzieren sozial schwächere Kunden mit. «Jeder soll mit einer Brille aus dem Geschäft gehen können. Je nach dem wird halt nur ein symbolischer Preis bezahlt.» Die Mitarbeiter von «Komm und Sieh» leisten regelmässig Einsätze in Buschdörfern, Kinderheimen oder Gefängnissen.

Vielseitiges Engagement

Seit vier Jahren lebt Joël Spörri nun in Langenthal und arbeitet mittlerweile nicht mehr als Optiker. Er reist jedoch so oft es geht nach Kamerun, um das Projekt zu unterstützen. Mit einem 40 prozentigen Pensum ist er in einem Asylheim angestellt und deckt den Rest mit seiner eigenen Musik. Unter dem Künstlernamen «Chéjs Romero» rappt er und veröffentlichte, auch mit anderen Musikern, diverse Songs. Seine Frau Anika Spörri-Frei ist zudem mit ihrem eigenen Hilfsprojekt «la mariée» beschäftigt. Sie sammelt Hochzeitskleider für Kamerunerinnen.

Die Projektmitglieder freuen sich ausserdem immer auch über Spenden, um die Messgeräte auf dem neusten Stand zu halten.

Mehr Informationen:

Komm und sieh: www.kommundsieh.org

Chéjs Romero: www.facebook.com/chejsromero, youtube: Chéjs Romero

la mariée: www.lamariee.org

Rahel von Arx